Energiegemeinschaften als Kostenfalle? Warum es für Gewerbe teuer werden kann!
- Mario Traxler
- 15. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 15. Mai
Energiegemeinschaften (EEG) werden in Österreich oft als Universallösung für niedrige Stromkosten beworben. Doch für Gewerbe- und Industriekunden (RLM-Kunden über 100.000 kWh) ist der Beitritt ohne vorherige Analyse riskant. Wer die vertraglichen Details seiner Großkundenverträge ignoriert, zahlt am Ende oft drauf und die Ersparnis endet in einem Nachzahlungsdesaster!

1. Die Mengen-Falle: Wenn „billiger“ Strom Strafzahlungen auslöst
Großkundenverträge basieren auf präzisen Abnahmemengen. Die meisten RLM-Verträge enthalten strikte Mehr- und Mindermengen-Klauseln. Hier kommt die Energiegemeinschaft als Kostenfalle zu tragen.
Bezieht ein Unternehmen nun signifikante Mengen über eine Energiegemeinschaft, unterschreitet es die vereinbarte Abnahmemenge beim Hauptlieferanten massiv. Da der Lieferant die Energie bereits im Voraus eingekauft hat, wird die Differenz als Mindermengen-Pönale verrechnet.
Oft frisst diese Strafe die gesamte Ersparnis der Gemeinschaft wieder auf.
2. Das Netzgebühren-Dilemma: EEG vs. BEG
Hier müssen Unternehmen genau hinschauen, denn „Ersparnis“ ist nicht gleich Ersparnis.
Lokal (EEG) Energiegemeinschaft als Kostenfalle?
Hier können Sie zwar Netzkosten sparen, aber die Erzeugung ist oft kleinteilig (private PV-Dachanlagen). Für einen Industriebetrieb mit hoher Grundlast reicht diese Menge oft nicht aus. Was nützt also ein Netzkostenrabatt auf Strom, der gar nicht in ausreichender Menge geliefert werden kann?
Überregional (BEG)
Eine BEG bietet durch Großanlagen (Windparks, Industrie-PV) zwar wesentlich stabilere und größere Mengen, spart aber keine Netzkosten, da sie das öffentliche Netz überregional nutzt.
In beiden Fällen bleibt für RLM-Kunden das Problem der Leistungsspitze: In dem Moment, in dem die Gemeinschaft nicht liefert, zieht der Betrieb die volle Leistung aus dem Netz. Die teure Jahreshöchstlast bleibt bestehen – und damit auch die hohen Netzkosten.
3. Wann Energiegemeinschaften trotzdem sinnvoll sein können
Bei LPZ-Anlagen oder RLM-Kunden mit einem variablen Börsentarif kann eine Energiegemeinschaft unter bestimmten Voraussetzungen dennoch sinnvoll sein. Der Grund: Bei vielen variablen Spotmarkt- oder Börsentarifen werden keine klassischen Mehr- oder Mindermengen-Pönalen vereinbart.
Dadurch entsteht mehr Flexibilität bei den bezogenen Energiemengen.
Allerdings sollte man die tatsächlichen Stromkosten inklusive aller Zusatzkosten vorab genau prüfen. Gerade im Sommer – also genau dann, wenn Photovoltaik-Anlagen die höchsten Einspeisemengen liefern – sind die Börsenstrompreise häufig ohnehin sehr niedrig. In dieser Zeit wird gleichzeitig der größte Anteil des Stroms über die Energiegemeinschaft bezogen.
Dadurch fällt die tatsächliche Ersparnis oft deutlich geringer aus als ursprünglich erwartet.
Deshalb empfiehlt sich vor dem Beitritt unbedingt eine professionelle Analyse durch einen erfahrenen Energieberater oder Energiemakler.
4. Warum die Größe für Gewerbe entscheidend ist
Lokale EEGs bestehen oft aus vielen kleinen privaten Einspeisern. Für einen Gewerbebetrieb mit konstanter Last ist das oft nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Hier ist eine BEG trotz fehlender Netzkosten-Ersparnis oft die sinnvollere Wahl, weil sie die nötigen „Muskeln“ hat, um echte Mengen zu liefern und so den Energiepreis-Mix stabil zu senken.
5. Der strategische Vorteil: Wie Unternehmen trotzdem zusätzlich sparen können.
Lösung: Trotz aller Herausforderungen gibt es strategische Möglichkeiten und Tricks wie Energiegemeinschaften bei RLM Kunden sinnvoll eingesetzt werden können. Gerne geben wir dazu persönliche Auskunft.
Wer viel Strom braucht, braucht eine ehrliche Kalkulation. Man muss abwägen: Will ich theoretische Netzkosten-Rabatte in einer kleinen EEG, die meine Last nicht deckt? Oder brauche ich die Mengen-Stabilität einer BEG, um meinen Energiepreis effektiv zu senken?
Ohne Lastgang-Analyse und Prüfung der Pönalen im Liefervertrag wird der Beitritt jedenfalls schnell teurer als ursprünglich erwartet. Es ist daher ratsam, diese Analyse von einem Profi durchführen zu lassen, der transparent beurteilen kann, ob der Beitritt zur Gemeinschaft tatsächlich eine Ersparnis oder am Ende eher eine Kostenfalle wird.
Fragen zum Thema Energiegemeinschaft für RLM Großkunden?
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